Sonntag, 23. Februar 2014

Meine eigene Olympiade in Suomi

Anstatt vor dem Fernseher rumzuhängen und im Minutentakt den Medaillenspiegel zu checken, beschlossen meine Freundin und ich die Olympiade in Sochi zu boykottieren und unsere eigene Winterolympiade zu veranstalten. Da es in Deutschland mangels Schnee und Eis nicht ging, mussten wir auf ein Land weiter im Norden ausweichen, nach Finnland. Also eine Reise nach Metsakartano gebucht, mit einem zweitägigen Aufenthalt in Helsinki. Und gleich ging es mit verschiedenen Sportarten los:

1. Extrem Nichts Verstehing

Finnisch ist eine finno-ugrische Sprache und als solche eng mit Estnisch und (laut der Mehrheit der Sprachwissenschaftler) mit Ungarisch verwandt. Während das Gemeinsame an Finnisch und Ungarisch lange Wörter mit vielen Vokalen sind und sonst gar nichts, kann man mit Grundkenntnissen des Estnischen einige finnische Wörter verstehen, wobei man Gefahr läuft, anzunehmen, dass ähnlich klingende Worte dasselbe meinen. Dem ist aber nicht so. Ein Beispiel ist das estnische Wort für Milch „piim“. Auf dem Frühstücksbuffet standen „piima“-Tüten, doch darin war keine Milch, sondern eine Art Kefir. Alltagsworte wie „Danke!“, im Estnischen „Aitäh!“, lauten im Finnischen „Kiitos!“ und im Laden wird man mit „Hey!“ begrüsst und mit „Hey, hey!“ verabschiedet, in Estland würde es „Tere!“ und „Head aega!“ heissen. Wer kein Estnisch und kein Finnisch versteht, hat bei solchen Postern dann ganz reale Problem zu verstehen, um was es da eigentlich geht:

Aber es ist nicht alles verloren, Finnland ist ein Vorbild an Zweisprachigkeit, und zwar nicht Finnisch und Englisch, (trotz nicht übersetzter Filme, ist das Englische bei den Leuten, mit denen ich mich unterhalten habe, eher mittelmäßig gewesen), sondern Finnisch und Schwedisch. Finnland hat als ehemalige schwedische Kolonie eine schwedisch-sprachige Minderheit von 5,6% der Gesamtbevölkerung. Der bekannteste Finnschwede ist Linus Torvalds, der Erfinder von Linux. Trotz des geringen Anteils der Schweden an der Bevölkerung sind die Regeln zum Schutz der schwedischen Sprache in Finnland vorbildlich umgesetzt. Schwedisch ist die zweite Staatssprache und wenn in einer Gemeinde mehr als 8% oder mehr als 3000 Einwohner jeweils die andere Sprache als Muttersprache haben, gilt die Gemeinde als zweisprachig, das bedeutet sämtliche Hinweise, Straßennamen und Auskünfte müssen auf Schwedisch und auf Finnisch erteilt werden. In finnischen Schulen werden beide Sprachen gelehrt. Da sind andere Länder noch ganz weit weg, im estnischen Narva sprechen weit über 90% der Leute Russisch und die russische Sprache hat überhaupt keinen Status in Estland. Schwedisch ist als germanische Sprache für den deutschen Touristen etwas einfacher zu verstehen und herzuleiten, das hat uns zu einem späteren Zeitpunkt sehr geholfen.

2. Extrem Sightseeing und Shopping

Helsinki als zweitnördlichste Hauptstadt der Welt war zwar windig, aber nicht so kalt wie befürchtet. Deswegen raus auf die Strasse und auf zur Felsenkirche (Temppeliaukoin Kirkko), die aus einem Granitblock herausgesprengt wurde. Wunderbare Akustik und sehr schöne Kupferdecke. Die schönste moderne Kirche, die ich kenne.

Ganz Helsinki ist vom Modelabel Marimekko okkupiert, im Zentrum der Stadt gibt es mindestens drei Läden des Labels, zusätzlich werden bei Stockman, dem größten Kaufhaus Skandinaviens Marimekko Erzeugnisse verkauft. Als Mann kann man den gepunkteten Krawatten gut widerstehen, aber als Frau muss man eine Bluse oder ein Kleid mitnehmen, oder gleich einen Duschvorhang mit Mohnblumenmuster. Sehr bekannt sind die Schokoladenerzeugnisse von Fazer, es gibt ein Fazer-Café, wo man Tüten mit verschiedenen Bonbons zusammenstellen und Schokolade mit Birnen- oder Rhabarbergeschmack kaufen kann. Bei Stockman in der Eisabteilung kann man Lakritzeis probieren.

Was mich erstaunt hat, die Dichte an Nokia-Läden ist in Berlin-Neukölln höher als in Helsinki. Wobei die Dichte der Nokia-Handys mit Windows schon sehr hoch ist. Solche Flaschenspieler gibt es dagegen in Neukölln noch nicht.

Im Helsinki-Reiseführer stand fast als jeder zweite Satz: „Sie müssen unbedingt Suomenlinna besuchen“. Soumenlinna, oder auf Schwedisch "Sveaborg" ist eine Festungsanlage auf einer Inselgruppe vor Helsinki, also nur per Fähre zu erreichen. Im Sommer lohnt sich der Besuch eher als im Winter, aber auch im Winter rutschten wir mit ein paar asiatischen Touristen durch die Befestigungsanlagen, schauten uns ein paar Kanonen und ein lustig bemaltes U-Boot an.

Noch ein paar Kirchen angeschaut, die während der Zeit gebaut wurden, als Finnland noch eine russische Provinz gewesen ist. Das Verhältnis zwischen Finnland und Russland war recht wendenreich. Als Finnland im 18. Jahrhundert ein Teil des russischen Imperiums war, fingen die Finnen an, sich als Volk zu begreifen, es kam zur Nationenbildung. 1917, nach der Oktoberrevolution, erklärte sich Finnland unabhängig. 1939 wurde Finnland im Molotov-Ribbentrop Pakt zur sowjetischen Einflusssphäre erklärt und die Sowjetunion versuchte nach Finnland einzumarschieren, um die Landesgrenze von Leningrad weg zu verschieben. Doch was im Baltikum problemlos klappte (was die Balten bis heute nicht so recht zugeben wollen), führte in Finnland zum sowjetisch-finnischen Krieg mit hohen Verlusten unter den sowjetischen Soldaten, die für den Winterkrieg nicht ausgerüstet waren. Der Krieg endete zwar mit Gebietsverlusten der Finnen, aber der Großteil des Landes blieb frei. 1941 verbündete sich Finnland mit Hitler-Deutschland, holte sich die verlorenen Gebiete zurück und nahm an der Belagerung Leningrads teil. Doch als absehbar wurde, dass Deutschland den Krieg verlieren wird, schloss Finnland ein Geheimabkommen mit der Sowjetunion ab und forderte die Deutschen auf das Land zu verlassen. Was diese zwar taten, aber aus Rache hinter sich nichts als verbrannte Erde ließen. Doch Finnland war unabhängig und das zählte. In den Jahren des Kalten Krieges verfolgte Finnland einerseits eine Beschwichtigungspolitik gegenüber der Sowjetunion, andererseits wurden finnische Fernsehsendungen bis nach Estland ausgestrahlt, und von den Esten innig geliebt, besonders die Kochsendungen, in denen finnische Köche Produkte anpriesen, die sie in finnischen Läden ohne Schlange zu stehen, eingekauft hatten. Das war eine wenig subversive, kaum zu überbietende Propaganda des kapitalistischen "Way of Life", was die Esten zu den glühensten Kämpfern für den Untergang der Sowjetunion gemacht hat. Heutzutage findet man überall russische Schilder und Reiseprospekte, es gibt eine Direktzugverbindung zwischen Helsinki und St.Petersburg und bei der finnischen Botschaft anzuklopfen, gilt in Russland als die unkomplizierteste Variante an ein Schengen-Visum zukommen.

Auf dem Alexanderplatz steht trotz aller historischer Wirren nach wie vor das Denkmal des russischen Zaren Alexander II.

Helsinki hat 1952 die Olympischen Spiele veranstaltet, damals konnte auch ein 5-Millionen-Volk die Kosten stemmen, die Anlagen stehen noch und vom Olympiaturm hat man einen schönen Blick auf Helsinki.

Ein besonderes Highlight in Helsinki ist Trambahnfahren. Man kann sich am Hauptbahnhof in die Linie 2 oder die Linie 3 setzen und lässt sich herumfahren. Aber Vorsicht! Die beiden Trams fahren keinen Kreis, sondern eine Acht und wechseln zwischendurch die Nummern. Also, sich am neoklassizistischem Hauptbahnhof in die Strassenbahn setzen und erst nachdem man das zweite Mal den Bahnhof passiert hat, wieder aussteigen!

3. Extrem Bliny Essen

Zum Essen gehen wir in Zetor, ein Restaurant mit recht eigenwilligem Interieur. Viele der Tische sind um Traktoren herumgebaut (Zetor scheint eine Traktorenmarke zu sein) und zum Essen werden "The Giant Blinys" empfohlen.

So ein Bliny mit verschiedenen Dipps kostet 22 EUR, plus 6-7 EUR für ein Glas Bier. Die Finnen lassen sich nicht von den Preisen abschrecken, das Lokal ist brechend voll. Und man glaubt es nicht, aber es ist laut, die Finnen unterhalten sich, recht viel sogar. Vielleicht kommen die Männer auch wegen der Toilette mit Pin-Up Beauties in das Lokal.

4. Extrem Kino Watching

Um die finnische Kultur etwas mehr zu begreifen, gehen wir ins Kino und schauen uns einen finnischen Film mit schwedischen Untertiteln an. Bevor man ins Kino reingeht, versorgt man sich mit Süßigkeiten.

Im Film geht es um einen rauchenden, saufenden, herumhurenden, übergewichtigen, unattraktiven Finnen, der das Glück hat, in seinem Blut eine erhöhte Mengen an Blutkörperchen zu haben, die viel Sauerstoff transportieren können, ausserdem die Blutgruppe 0, Rhesusfaktor negativ. Das macht ihn zum idealem Blutspender, und eine niedliche finnische Skiläuferin wird mit seinem Blut aufgeputscht. An dieser Stelle herzliche Grüße an die russischen Langläufer, die unter 1:50h 50 km gelaufen sind und alle drei Medaillen abräumten. Der Rest ist das übliche Drama, die niedliche Skiläuferin braucht ihn, aber nur als Blutspender, nicht als Samenspender, er möchte beides sein und am Ende stirbt er an einem Herzinfarkt.

5. Extrem In-Metsakartano-Ankomming

Metsakartano ist ein Jugendzentrum, also eine Art Landschulheim mitten im Nirgendwo. Um nach Nirgendwo zu kommen, muss man erst eine Stunde nach Kuopio fliegen, dann mit dem Bus Richtung Rautavaara 1,5 Stunden fahren und kommt dann auf einer Halbinsel zwischen zugeschneiten Seen an - links See, rechts See, vorne See, hinten Wald.

Das Zimmer ist nicht sehr groß, aber für unsere Bedürfnisse komplett ausreichend, das Essen reichhaltig, in den Augenfarben der Reiseführerin Vera spiegelt sich die Aurora Borealis, die wir sonst nicht zu sehen bekommen, und der Rest der Gruppe ist mehrheitlich verheiratet und älter als wir. Was ganz anderes, als wir von Young-Line-Reisen gewohnt sind.

6. Extrem Winterwandering

Am ersten Tag schlägt uns Vera eine Winterwanderung vor. Es herrscht das finnische T-Shirt-Wetter, es ist knapp unter Null. Wir packen uns trotzdem dick ein und stampfen tapfer durch den Schnee und den finnischen Wald. Wald und nicht Urwald, denn alle Bäume, die hier sind, sind Neupflanzungen. Die finnischen Papierproduzenten brauchen Rohstoffe, so wird der Wald intensiv genutzt. Auf dem kargen Boden können die Bäume gar nicht dickstämmig werden, was für die Zellulosegewinnung aber auch nicht nötig ist.

Nach vier Stunden sind wir wieder zurück und haben die ersten Eindrücke, was uns den Rest der Reise erwartet.

7. Extrem Speckstein-Schnitzing

An dieser Stelle ein Wettbewerb für die Leser. Wer in den Kommentaren errät, was die geschnitzte Figur auf dem zweiten Photo darstellen soll, bekommt von mir eine Tafel leckere Fazer-Schokolade mit Rhabarbergeschmack. Die Figur auf dem ersten Photo nannte ich „Der Wanderer“.

8. Extrem Curling

Das was die Bayern mit Eisstockschießen bezeichnen, nennen die Finnen Alpine-Curling und spielen es auf festgetretenem Schnee und nicht auf dem Eis.

9. Extrem Langlaufing

Nein, das Langlaufen war gar nicht extrem, denn Langgelaufen wurde auf dem gefrorenem See, also keine Steigungen oder Abfahrten, es war gespurt, die Skier glitten ausgezeichnet. Es gibt wohl einen finnische Ausspruch, wenn etwas ganz einfach war: "Es ist wie Langlaufen bei Vollmond". Nachts langgelaufen sind wir auch, auch ohne Vollmond ging es sehr gut, wenn der Ski die Spur selbst erfühlt.

10. Extrem Huskying

Für mich der Höhepunkt der Reise. Alles was man bei Jack London gelesen hat, das konnte man life nacherleben. Huskies sind wunderbare Tiere, klug, schlau, mögen auch fremde Menschen und sind zum Laufen geboren.

Husky-Transporter

Erstmal ausladen

Zaumzeug anlegen

In den Schlitten einspannen

Es ist unglaublich wie angespannt die Hunde auf das Rennen warten, es wird gesprungen, geheult, gewinselt, bis endlich das Kommando zum Start gegeben wird.

Und los gehts! Ein Hundeschlitten kann durchaus eine Geschwindigkeit bis zu 30km/h erreichen. Der Hundeführer muss sich wie beim Motorrad fahren in die Kurven legen, damit der Schlitten nicht ausbricht, an den Abhängen bremsen, damit der Schlitten nicht die Hunde überholt und beim Ansteigen darf er auch mit anschieben. Vor allem darf er nicht das Gleichgewicht verlieren und hinfallen, denn dann ist der Schlitten mit den Hunden weg. Ist vielen bei uns passiert, aber da die Hundebesitzerin Aino immer vorausfuhr, haben die anderen Hundeschlitten sie nicht überholt und die gefallene Person bekam ihren Schlitten wieder. Es ist eine Wahnsinnserfahrung, jederzeit wieder!

11. Extrem Sauning

Sauna ist das einzige finnische Wort, das in alle anderen Sprachen eingewandert ist. Es gibt 2 Mio. Saunen in Finnland und wir ließen es uns nicht nehmen, jeden Tag eine aufzusuchen. Die finnischen Saunen sind für Männer und Frauen getrennt. Man nimmt keine Handtücher mit in die Sauna, sondern Papiertücher, auf die man sich setzt. Ich schätze, damit man sich nicht den Hintern verbrennt. Eine Bierdose ist üblich, Aromazusätze im Aufguss eher weniger. Doch das größte Vergnügen kommt beim Abkühlen.

12. Extrem Breitski-Wandern

Der finnische Breitski ist viel kürzer als ein Langlaufski, man braucht keine Spezialschuhe und er hat eine Art Fell auf der Unterseite angeklebt, so dass man auch auf steilen Hängen nicht abrutscht. Nach vorne soll er trotzdem gut gleiten können, aber gelegentlich bleibt doch Schnee kleben, so dass man nicht rutschen kann. Abfahren soll man am besten im Telemark-Stil, sonst haut es einen um. Mit den Skiern kann man auch zum Nordpol wandern, sie sind robust, für Tiefschnee geeignet, und es macht richtig Spass, mit ihnen im Wald im unwegsamen Gelände zu laufen. Am besten legt man in Finnland größere Entfernungen im Winter zurück, im Sommer muss man um die ganzen Seen herumlaufen, im Winter fährt man einfach drüber.

13. Extrem Cooking und Eating

Karelische Piroggen ist eine Nationalspeise der Finnen. Jede Großmutter muss sie aus dem Effeff beherrschen. Für das Original braucht man nur Roggenmehl, Wasser und eine Füllung. Wir nahmen Milchreis. Wasser mit Roggenmehl vermischen, den Teig ausrollen und zwar so dünn wie möglich, die Füllung drauf und die Ränder nach oben klappen und ineinander drehen. In den heißen Ofen, fertig. Gegessen werden die Piroggen mit Eibutter, dazu, ein Ei hart kochen, zerkleinern und mit Butter vermischen.

Abends gab es dann nach einem Spaziergang über den See Lachs auf Finnisch. Also, den Lachs auf ein Brett spannen, und das Brett neben dem Feuer aufstellen. Der Lachs kam zwar aus Norwegen, dafür hatte jeder mind. 1/2 Kg Lachs auf dem Teller. Es war recht unverantwortlich uns mit so vollem Magen wieder über den See zurück spazieren zu lassen, wir hätten vor lauter zusätzlichen Kilos auch einbrechen können :-)

14. Extrem Survival-Training mit Huck

Die Person links im Bild, das ist Huck. Nachdem er für Greenpeace Industriekletterer ausgebildet hat, verliebte er sich unter dem Schein einer Aurora Borealis in eine Finnin und zog nach Finnland. Hier erzählt er den Stadtbewohnern, die die fallende Münze auf 100m Entfernung hören, aber einen Baum vom anderen nicht unterscheiden können, wie man in der Wildnis, selbst im harten finnischen Winter, überleben kann. Futter suchen und nicht Futter werden! Wie man sich mit allen fünf Sinnen in der Natur orientiert, dabei sein Sichtfeld und damit seinen Horizont erweitert. Nebenbei noch viel Wissen zu Flora und Fauna Finnlands und einige Greenpeace-Lebensweisheiten.

So macht man Feuer in der Wildnis. Ein Metallstab, den man an einem anderen Metallstab entlangreibt und dabei Funken erzeugt. Ein Stück Seil, auseinandergefleddert, um eine größere Kontaktoberfläche frü überspringede Funken zu bekommen. Ein trickreich gebauter Holzstapel mit Birkenrinde ganz unten.

Wer Interesse bekommen hat, eine Führung mit Huck zu machen, kann sich bei ihm auf NordicByNature melden, er organisiert gerne eine Waldtour auf Deutsch, Englisch, Finnisch, Schwedisch, Russisch und wenn es sein muss, auch auf Latein.

15. Extrem Schneeschuhwandering

Mit dem Schneeschuh kann man grob dasselbe Gelände erwandern, wie mit einem Breitski, kann dabei aber nicht gleiten. Das machte mir, ehrlich gesagt, nicht so viel Spass, vielleicht eher was für die Berge.

16. Extrem Eisfishing

Eisfischen ist ein Männersport. Man muss mit großen Bohrern Löcher in dickes Eis bohren und dann stundenlang still stehen und nichts sagen. Wenn der Fisch endlich anbeißt, schnell rausziehen, den Finger in das Maul stopfen und ruckartig nach oben ziehen, um dem Fisch das Genick zu brechen. Habe bisher keine Frau kennengelernt, die alle diese Schritte hinter sich gebracht hatte. Es heißt aber nicht, dass es keine Ausnahmen gibt:

Also, den großen Bohrer ausgepackt,

und mit einer kleiner Angel zuckende Bewegungen gemacht, um den Barsch anzulocken:

Gefangen haben wir natürlich nichts, Vera war sichtlich happy darüber, sonst hätte sie als Reiseleiterin dem Fisch das Genick brechen gemusst, wenn es sich sonst keiner getraut hätte.

Hier noch ein Video, wie es die Profis machen:

17. Extrem Husky-Rennen Watching

Wir hatten das Glück, das in Metsakartano am Wochenende vor unserer Abreise finnische Meisterschaften im Husky-Rennen stattgefunden haben. Im März sollen dann dort die europäischen Meisterschaften stattfinden. Es gibt mehrere Kategorien, in der einfachsten läßt sich ein Skiläufer von einem Hund ziehen, dann gibt es Dreier- und Vierer-Hundegespanne und Freestyle mit einer unbeschränkten Anzahl an Hunden (also 7-8). Die Aufregung der Hunde war diesmal noch größer, als bei unserer Touri-Tour. Aber auch Hunde müssen zur Hunde-Doping-Kontrolle.

Hier noch ein paar Videos vom Start und Zieleinlauf:

Damit ist die finnische Olympiade beendet, vielen Dank fürs Zuschauen.

Sonntag, 25. August 2013

Hedgehog in the fog needs help!

When I was a child there was a cartoon which was called "Hedgehog in the fog". Sure there were a lot of sowjet cartoons, lot of people even in the west know "Rabbit and the Wolf", but "Hedgehog in the fog" was special. It was mysterious the look and the music and therefore it stayed in the memory and all the now-adults who were raised in the eighties in Sowjetunion know immidiately what I'm refering too, when I say "Hooorse" or "Heeedgehooog". The cartoon won also lot of international prizes and has masters of anime as fans and was recognized as the best animation film of all times in Japan. Also Michel Gondry was inspired by "Hedgehog in the fog", when he did Bjorks "Human Behaviour" video. So here is the famous film with english subtitles:

In Kiev there is even a statue of hedgehog dedicated to the film. But some stupid vandals demolished the statue. Hedgehog writes in his Facebook: I don't remember who attacked me. In early morning somebody pulled raspberry jam from my paws. I started to hiss at them and wanted to bite the burglar, but something sharp hit me in my face and I lost conciоusness."

The creator of the statue now tries to repair the wounds, but he is asking for help. A friend of mine will travel to Kiev and meet him. So if you want to help to restaurate the hedgehog, please drop me a message and share that one.

Thanks,

Anton

Donnerstag, 27. Juni 2013

Southside 2013

Es ist wieder Sommer, na ja, es sollte wieder Sommer sein, also same procedure as every year, the Southside is calling! Also packen wir unser Riesenzelt ins Auto, besorgen eine Stiege Bier (für die, die es nicht wissen, Stiege Bier = 24 Dosen) in einer Kühlbox und fahren los. Wir sind wieder auf der Grünen Wiese, die Lästermäuler erzählen uns was von Rentnerbereich, aber trotz einiger noch älteren Exemplare sind wir bereits Rentner, wenn man uns mit dem durchschnittlichen Southside-Besucher vergleicht, dessen Abi-Shirt noch nie gewaschen wurde.

1. Tag

Frank Turner & The Sleeping Souls - Rock mit viel Irish Folk Einfluss, nach viel Guiness durchaus tanzbar

Steven Wilson - die erste Entdeckung des Festivals. Bin schon auf Spiegel auf ihn aufmerksam geworden und wurde nicht enttäuscht. Fünf sehr nerdig aussehende Herren, könnte sein, dass bei dem langhaarigen blonden Bassisten es sich um eine Frau gehandelt hat, die Haare hingen ins Gesicht, spielen höchst komplexes Progressive Rock, für mich hört es sich an wie Tool, aber die älteren Semester werden mich natürlich belehren, dass es sich eher nach Hawkwind (die Band von Lemmy Kilmister bevor Motorhead), King Crimson und anderen Prog-Rockern aus den 70ern anhört, da werde ich mich nicht streiten. Leider ein viel zu kurzer Auftritt.

Triggerfinger - Auf diese Band ist man durch ihren Cover von I follow Rivers von Lykke Li aufmerksam geworden. Auf Youtube sieht man einen älteren Mann, der sitzend auf seiner Gitarre spielt.

Also habe ich mich auf ein eher ruhiges Konzert eingestellt. Auf die Bühne erscheinen drei Herren, einer davon im schwarzen Anzug mit Kravatte ganz nach Tarantino, dass es keinen Mann gibt, dem ein schwarzer Anzug nicht stehen würde. Der Mann verkündet dass diese Show dem am vorigen Wochenende verstorbenem Schauspieler James Gandolfini gewidmet ist und legt mit seiner Les Paul Gitarre richtig los. Rock'n'Roll at its best!

Sehr energiegeladen, rockig, teilweise schön heavy, aber immer melodisch, sehr gut anzuhören und absolut mitreissend. Die zweite Entdeckung des Festivals. Hier ist noch ein eineinhalbstündiger Konzert-Mitschnitt:

The Smashing Pumpkins - Eine DER BANDs der alternativen 90er. Intelligentes Grunge, tolle Optik durch den glatzköpfigen Billy Corgan, den Japaner James Iha und der blonden Bassistin D'arcy Wretzky, Hymnen wie Tonight, Tonight oder 1979, all das erinnert sofort an eigene Jugend, genauso wie die Filme von Kevin Smith. Man vergisst all die Artikel, die Billy Corgan als egozentrisches Arschloch Genie beschreiben.

Daran erinnert man sich recht bald nachdem man Smashing Pumpkins live sieht. Sie legen sich ins Zeug, keine Frage, es ist kein Runtergeschrammele, aber man hat nicht das Gefühl, dass sie das fürs Publikum machen. Es sieht eher nach einem Ego-Trip von Corgan aus, er spielt für sich und sonst für niemanden, keine Interaktion mit dem Publikum, keine Ansage, kein Wert auf Applaus, natürlich keine Zugabe. Wenn das Publikum die Genialität der Musik nicht versteht, dann ist sie selber schuld und nicht würdig.

Es fängt zu regnen, deswegen keine Lust auf Paul Kalkbrenner und wir gehen ins Zelt.

2. Tag

Danko Jones - der erste von vielen Kanadiern auf Southside. Läßt sich vom Publikum feiern, das Publikum liebt ihn auch dafür. Ordentliches Rock'n'Roll, straight, hart, ein working class Hero.

Boysetsfire - die zweiten von vielen Kanadiern auf Southside. Der Sänger warnte gleich, dass er zwar gut findet, wie Danko Jones sich feiern läßt, aber seine Sache ist das nicht. Dafür lieferte die Band einen guten Nachhilfeunterricht in Sachen Emocore. Sehr hart, aber auch melodisch, die Aggresivität steigt schnell auf und will raus. Hier ist ein Konzert von Boysetsfire:

Tame Impala - Die Jungs von Tame Impala sehen so aus, als ob sie all Vietnam verweigert haben. Ein Hauch von Woodstock weht durch Southside. Die Geräte auf der Bühne sind aber viel moderner, als das was Scott McKenzie zur Verfügung stand und das hört man auch.

Vielleicht braucht man auch solche Bands, die die Sounds der 60er und 70er mit den modernen Soundeffekten anreichern und neu interpretieren. Ganz netter Auftritt, hier ist ein Konzert von ihnen:

Tegan & Sara die dritten von vielen Kanadiern auf Southside. Zwei Mädels in schwarz singen Pop, ist allerdings nicht so eingängig, wie z.B. Pop von Boy, meinen Lieblingen vom letzt-jährigem Southside.

Könnten lesbisch sein, erinnern ein bisschen an die Sheakspeare Sisters, aber ohne die Gothik und ganz viel an Cindy Lauper.

Tyler, the Creator - Tylor ist der Anführer von der Odd Future Wolf Gang Kill Them All, kommt aus LA und ist dank diesem Video berühmt geworden:

So wie alle bei Ozzy warten, dass er wieder einer Fledermaus den Kopf abbeisst, so warten alle bei Tylor, dass er wieder eine Kakerlake verschluckt. Auf der Bühne steht ein einsamer MacBook, dann kommen drei Gestalten auf die Bühne und ganz viel Biach, Motherfucker und ähnliches ergiesst sich auf die Zuschauer. Die Beats sind eher ruhig, was die Meute nicht vom Pogo abhält. Ich habe da etwas mehr erwartet, aber ich bin da zu seher von Die Antwoord verwöhnt.

Portishead - Zu Portishead habe ich eine besondere Beziehung, als mein Vater starb, schloss ich mich in meinem Zimmer ein und hörte rund um die Uhr das Album Portishead. Deswegen war ich mir nicht sicher was für Reaktionen die Band live auf mich auslösen würde, aber ich stellte mich schon mal in die zweite Reihe.

Als Beth Gibbons auf die Bühne kam und mit ihrer Weltuntergangsstimme die ersten Strophen in das Mikro sang, war alles wieder da, die Tränen standen mir in den Augen, aber da war ich nicht der einzige, sehr viele Leute in der ersten Reihe haben wohl ähnliches durchlebt und sich mit Portishead bei der Bewältigung ihrer Trauer mit Portishead beholfen.

Die wunderbare Beth steht die meiste Zeit mit dem Rücken zum Publikum, nur beim Singen dreht sie sich zum Mikrofon und singt tieftraurige, todernste Lieder. Hinter ihr huschen verstörende Bilder von den Strassenkämpfen in Spanien und Griechenland zum Song Machine Gun. Für mich der beste Kommentar zu der ganzen Eurokrise, die komplette Hoffnungslosigkeit einer ganzen Generation, die nicht gebraucht wird. Beim letzten Lied klemmt Beth das Mikro ab, rennt von der Bühne und umarmt die Leute in der ersten Reihe.

Bei so viel Gefühl brechen bei mir auch die letzten Barrieren, ich heule nur noch. Und bitte die schöne Unbekannte aus der ersten Reihe, antworte auf meine Email und schicke mir die Aufnahme von dem Konzert.

Rammstein - Nach Portishead will ich eigentlich nur noch ins Zelt, aber da muss ich am Rammstein-Konzert vorbei. Eigentlich überhaupt keine Lust auf die Neue Deutsche Härte, aber wir bleiben dann doch stehen, um Till und seinen Mannen anzuschauen. Es ist ein Musikal und es passiert was unfassbar böses auf der Bühne. Ein Mann wird mit Flammenwerfer angezündet. Der Keyboarder Flake darf zu Bück Dich auf allen vierern rumkriechen, ihm wird die Hose ausgezogen, Till fummelt in seiner Hose rum, zieht seinen Schwanz raus (also nicht den echten) und rammelt erstmal Flake in den Hinteren, danach kommt aus dem Schwanz Pisse raus, sehr viel Pisse, mehrere Liter ergiessen sich auf die Zuschauer und auf den armen Flake. Bei "Ich will" sind alle ach so alternativen, anarchistischen und herrschaftsfreien Festivalbesucher Till hörig, Till dem nitzianischem Übermenschen, der noch so viel von Herz in der linken Brust singen kann, aber eigentlich der über jeglichem politischen Schnickschnack drübersteht. Beim letzten Lied schliesslich singt Till von seinem Dick, der in eine Pussy will und wundert sich where's the problem. Dabei reitet er auf einer gigantischen Kanone, die auf die Zuschaeur literweise weissen Schaum, was wohl Sperma darstellen soll, schleudert. Die Zuschauer sind begeistert vom Übermenschen Till bepisst und besamt zu werden. Mit einer Bürokratenstimme sagt Till schliesslich, dass wir ein fantastisches Publikum waren und wünscht uns eine gute Nacht.

3. Tag

Goldmouth - Morgenstund hat Gold im Mund, also gehen wir als erstes zum Goldmouth, einer deutschen, sehr jungen Band, die aber schon sehr abgeklärt im Still von The Animals abrockt. Fans hat sie auch schon, es werden fleissig Aufkleber verteilt, die niemand haben möchte.


Geheiratet wird auch

The Kyteman Orchestra - Auf der Bühne stehen ca. 20 Menschen, sie spielen unterschiedlichste Instrumente, vorne steht ein komplett bekiffter Dirigent und man spielt etwas, was wohl eine Weiterentwicklung der klassischen Musik darstellen soll.

Manchmal kommen Solisten auf die Bühne, Rapper, Reggae-Sänger, Rapper mit Opernstimme, Rapper mit Soulstimme usw. Keine Ahnung, wo sie alle herkommen, vielleicht ist es eine grosse Kommune mit eigener Hanf-Plantage und Labor für härtere Sachen. Hier ist ein Konzert von ihnen:

Was für Eindrücke sind noch geblieben? Britpop ist endgültig tot, keine Ahnung warum die Bands, die es noch spielen, überhaupt noch einen Plattenvertrag bekommen. Frauen sind immer noch sehr interessiert was man unter dem Schottenrock anhat und finden den Kakerlaken-Kostüm eher eklig. Die beste Band war Portishead, die Neuentdeckungen waren Steven Wilson und Triggerfinger und die beste Show war von Rammstein, solange man sie aus der Ferne anschaute. Mal sehen, was Southside 2014 mit sich bringen wird.